01 Katar / Januar Reisetagebuch

Es würde wahrscheinlich niemanden so richtig nach Katar verschlagen, wenn es keinen konkreten Grund dazu gibt. Da wir diesmal einen Stop-Over in Katar, statt Dubai, gewählt haben, wollten wir die Chance nutzen und uns die Stadt angucken. Außerdem empfinde ich den Flug nach Kapstadt weniger anstrengend, wenn man ihn aufteilt und noch eine Nacht Pause dazwischen macht. 

Letztes Mal haben wir auf der Rücktour zwei Tage in Dubai und Abu Dhabi verbracht, so dass ich jetzt einen ganz guten Vergleich zwischen diesen künstlich gewachsenen Wüstenstädten habe. Was auf den ersten Blick auffiel ist, dass Katar unglaublich leer und verlassen wirkte. Die Räume und Gebäude und Dimensionen sind vollkommen überproporitioniert und alles wirkt so, als ob auf irgendwas drauf hin „gearbeitet“ bzw. etwas aufgebaut wird – für einen kommenden Ansturm zur Fußball-WM oder so. Katar ist im Gegensatz zu Dubai schon noch um einiges kleiner aber dafür auch noch etwas traditioneller würde ich sagen bzw. es gibt einfach wesentlich weniger Tourismus. In Dubai wirkte meine Meinung nach aber alles doch noch etwas „sinnvoller“ und „bedeutungsvoller“ in Katar erschließt sich mir in fast keinem modernen Bau irgendein Nutzungszweck. Da wird auf der Gegenüberliegenden Seite des Hafens eine imposante Skyline gebaut, nur damit die Einwohner auf einen dunklen Parkplatz fahren können und sich eine (Disko)Skyline ansehen können. Es fühlt sich an, als ob man permanent durch eine Filmkulisse fährt, die einem das Leben in der Zukunft nach einer schlimmen Weltkatastrophe vor Augen führt.

Einige Fakten zu Katar haben mich dann doch sehr überrascht.

Zugegebenermaßen habe ich mich vorher nicht sonderlich mit Doha und Katar befasst aber
1. Katar ist das wohlhabendste Land der Welt. 2. Es gibt gerade mal 2,5 Millionen Einwohner (Zum Vergleich: Dänemark hat 5 Millionen), wovon erst in den letzten 60 Jahren 2 Millionen Einwohner durch Gastarbeiter zu Zuwanderung hinzugekommen sind. Es sind nur ca. 300 000 einheimisch auf die sich jedoch fast das gesamte Einkommen des Landes verteilt. 3. Dadurch hat Katar das unausgeglichenste Frauen – Männer Verhältnis weltweit. Auf 1 Frau kommen ca. 3,5 Männer. 4. Ca. 90% der Frauen sind vollverschleiert. (es ist auch das erste Land, indem ich so viele vollverschleierte Frauen erlebt habe) 4. Der Staat besitzt eine sehr gutes Sozialsystem, Hilfsbedürftige erhalten feste monatliche Bezüge. Außerdem ist die medizinische Versorgung kostenlos. 5. Bei all dem darf man nicht vergessen, dass die Lebens- und Arbeitssituation der Arbeitsimmigranten teilweise menschenunwürdig ist, 92 % der Einheimischen arbeiten in Regierungsbehörden.

Ich fand diese Zahlen beeindruckend und es sagt nochmal soviel mehr über den Reichtum und Wohlstand dieser Länder aus und über die Bedeutung von Geld im Allgemeinem. Trotzdem hat es mir irgendwie gefallen Katar zu erleben. Wenn ich dort und auch nach Dubai reise, habe ich in etwa eine Vorstellung von diesen Ländern und habe keine allzu großen Erwartungen an kulturelle Erlebnisse. Es sind wertvolle touristische Erfahrungen auf die ganz andere Art, die mittlerweile ein wichtiger Teil unserer Welt sind und meinen Blick auf das Reisen und den Tourismus nochmal ganz anders darstellt. Denn wer sagt eigentlich, dass alte traditionelle, einfache Verhältnisse, die wir ja immer so gerne „erleben“ immer auch das ist, was die Menschen vor Ort sich für ihr Leben aussuchen würden, wenn sie könnten.